BIA im BCM – Bewertung (Prozesse & Ziele)🔗
In der BIA-Bewertung analysierst du, wie kritisch ein Prozess ist und welche Wiederherstellungsziele (z. B. RTO, MTPD) für ihn gelten sollen.
Du kombinierst dabei:
- die in der Konfiguration festgelegten Hausregeln,
- die im Scope verknüpften Prozesse,
- ihre Abhängigkeiten (Assets, Dienstleister, andere Prozesse).
Einstieg in die BIA-Bewertung🔗
- Öffne die Kachel BIA – Bewertung.
- Wähle den Scope, den du betrachten möchtest.
- Du erhältst eine Liste der im Scope verknüpften Prozesse – ggf. bereits mit Vorfilter-Einstufung (kritisch/unkritisch).
Pro Prozess kannst du nun in eine Detailansicht wechseln.
Auswirkungen über die Zeit bewerten🔗
In der Detailansicht eines Prozesses bewertest du je Schadensszenario (z. B. finanziell, rechtlich, Reputation):
- wie sich der Schaden bei Ausfall über die definierten Zeithorizonte entwickelt,
- ab welchem Zeitpunkt die Auswirkungen „mittel“, „hoch“ oder „sehr hoch“ werden.
Praktisches Vorgehen:
- Wähle das Szenario (z. B. „finanzielle Auswirkungen“).
- Beurteile, welcher Schaden bei den einzelnen Zeithorizonten entsteht.
- Trage die entsprechenden Schadenspotenziale ein.
Beispiel:
- Bis 2 Stunden: Schaden gering
- Ab 4 Stunden: Schaden mittel
- Ab 8 Stunden: Schaden hoch
- Ab 24 Stunden: Schaden sehr hoch
Die BIA-View stellt dies meist als Tabelle oder Kurve dar.
Wiederherstellungsziele festlegen (RTO, MTPD, Notbetriebsniveau)🔗
Aus der Bewertung leitest du Wiederherstellungsziele ab, insbesondere:
-
RTO (Recovery Time Objective)
→ Zeitraum, innerhalb dessen der Prozess wieder lauffähig sein muss. -
MTPD / MTBD (Maximum Tolerable Period of Disruption)
→ maximal tolerierbare Ausfallzeit, bevor es zu existenzbedrohenden / nicht akzeptablen Schäden kommt. -
Optional: Notbetriebsniveau
→ welches Leistungsniveau im Notbetrieb akzeptabel ist (z. B. 50 % des normalen Durchsatzes).
Diese Zielgrößen dokumentierst du pro Prozess in der BIA. Sie sind später maßgeblich für Strategien und Pläne im BCM.
Abhängigkeiten und Single Points of Failure🔗
In der BIA-Bewertung werden häufig auch Abhängigkeiten des Prozesses angezeigt:
- verknüpfte Assets (Hardware, Software, Infrastruktur),
- verknüpfte Dienstleister,
- vor- und nachgelagerte Prozessketten.
Typische Aktivitäten:
- Überprüfung, ob ein Asset oder Dienstleister ein Single Point of Failure (SPOF) ist,
- Kennzeichnung besonders kritischer Abhängigkeiten,
- Ableitung von Anforderungen an Redundanz oder Alternativprozesse.
Diese Informationen fließen später sowohl in das Risikomanagement als auch in die Strategien und Pläne ein.
Dokumentation und Nachvollziehbarkeit🔗
Für jede Bewertung solltest du eine Begründung hinterlegen, z. B.:
- warum ein Prozess eine bestimmte Kritikalitätsstufe hat,
- welche Annahmen du bzgl. Kunden, Regulatorik oder internen SLAs triffst,
- welche Einschränkungen im Notbetrieb in Kauf genommen werden können.
Das hilft:
- bei Audits,
- bei späteren Überarbeitungen (z. B. nach organisatorischen Änderungen),
- bei Übergaben an andere Verantwortliche.
Verbindung zu Vorfilter und Konfiguration🔗
- Die Vorfilterung reduziert den Umfang, indem sie festlegt, welche Prozesse detailliert zu bewerten sind.
- Die Konfiguration (Schadensszenarien, Zeithorizonte, Potenziale) gibt den Rahmen vor, wie bewertet wird.
- Die Bewertung selbst ist dann der fachliche Kern, in dem du Prozess für Prozess durchgehst.
Die Ergebnisse dienen als Grundlage für den Soll-/Ist-Vergleich & das Reporting sowie für das BCM-Risikomanagement.